Kirchbauverein

der St.-Matthäus-Kirche zu Rodenkirchen e.V.

Die St.-Matthäus-Kirche

Lieber Besucher, wir möchten Sie ganz herzlich in unserer St. Matthäus-Kirche in Rodenkirchen willkommen heißen. Über uns: Wir sind eine aktive, lebendige Kirchengemeinde. An Sonn- und Feiertagen versammelt sich hier die Gemeinde zum Gottesdienst. Weiter finden Feiern zu Lebensübergängen wie Taufe, Konfirmation, Trauung und Tod statt. In der Veranstaltungsreihe „Kunst und Kirche“ werden Konzerte und wechselnde Wanderausstellungen unter dem Motto „Zu Besuch bei Ludwig Münstermann“ durchgeführt. Außerhalb dieser Zeiten kommen Einzelbesucher oder Gruppen in die Kirche, verweilen hier zur Betrachtung der sakralen Kunstwerke und zu stiller Andacht. Kirchen sind Stätten der Begegnung mit Gott. Viele Zeichen und Bilder im Kirchenraum erzählen vom christlichen Glauben. Für die Besucher wurde ein Info-Stand errichtet. Die Info-Tafeln sollen helfen, alles Wissenswerte über die  Kirchen- und Ortsgeschichte, die Baugeschichte der über 800 Jahre alten St. Matthäus-Kirche und der sakralen Prinzipalstücke Altar und Kanzel zu vermitteln. Eine Tafel ist dem bedeutenden Bildhauer Ludwig Münstermann gewidmet. Die Erläuterungen des theologischen Programms für Altar und  Kanzel sowie für den thematischen Kirchenrundgang und über die Geschichte der Orgel liegen in den Ablagen der Info-Kästen. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Studium der Kirchen- und Kunstgeschichte und der Darstellung christlicher Glaubensinhalte. Ihre Pastorin  Birgit Faß Erstellung: Die Informationstafeln wurden unter der Federführung des Kirchbauvereins in Abstimmung mit dem Gemeindekirchenrat erstellt und finanziert. Die Erstellung erfolgte in enger fachlicher Zusammenarbeit mit dem Oberkirchenrat in Oldenburg. Entwurf: Architektenbüro Angelis und Partner, Oldenburg Graphik und Druck: KomReGis-Verlag, Oldenburg Fertigung: Fa. Ostendorf, Schwei Fotos: Beatrix Schulte, Schwei Wir freuen uns, dass Sie den Weg zu unseren Seiten gefunden haben. Auf den folgenden Seiten wollen wir Sie über die Geschichte der Kirche und deren Erhalt informieren. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen. Die auf den Seiten eingefügten Bilder können Sie durch anklicken vergrößern.

Ludwig Münstermann

Die St. Matthäuskirche, Hauptkirche des Stadlandes, ist ein kreuzförmiger Saalbau mit flacher Balkendecke. Die heutige Gestalt der Kirche ist das Ergebnis vielfältiger baulicher Veränderungen. Da schriftliche Urkunden über die Frühzeit fehlen, kann die mittelalterliche Baugeschichte nur aus Veränderungsspuren am Gebäude und aus Grabungsbefunden nachvollzogen werden: weiterlesen

Die Kirchenorgel

Die Reformation hat die Ausstattung des Kirchengebäudes in vielen Bereichen verändert. Zur neuen Funktion der Gemeinschaft der Gläubigen gehörte nun auch der gemeinsame Gesang der Liturgie und der Kirchenlieder. Im Kirchenraum schlägt sich dieses durch die Errichtung einer Orgelempore und den Einbau einer Orgel nieder, die zur Begleitung des Gemeindegesanges erforderlich ist. weiterlesen

Kirchen & Ortsgeschichte

Veränderungen der Landschaft und der Lebensbedingungen durch den Anstieg des Meeresspiegels. Die ersten Spuren menschlicher Ansiedlungen im damals noch hochwasserfreien Land an der heutigen Unterweser sind ca. 3.000 Jahre alt und stammen aus der Bronzezeit. Infolge ständiger Ablagerungen aus dem Süßwasser des Stromes war fruchtbarer Marschboden entstanden und verhalf seinen Bewohnern über viele Generationen zu großem Wohlstand. Ab etwa 300 n. Chr. zwang der Anstieg des Meeresspiegels dazu, die Wohnstätten auf künstlich aufgeschütteten Hügeln - den Wurten - zu errichten, die mit steigenden Wasserständen stetig erhöht werden mussten. Um das Jahr 1000 begann man, die Küstenlinie mit einem durchgehenden Deich vor den Fluten zu schützen. Im Mittelalter richteten schwere Sturmfluten verheerende Schäden an und veränderten das Landschaftsbild nachhaltig. Durch die Marcellusflut, "de grote Mansdränke", entstand 1362 der große Meereseinbruch im Bereich der Jademündung (heute Jadebusen). Butjadingen und Stadland wurden zu Inseln. Im ständigen Kampf mit dem Meer konnten verlorene Landflächen durch Eindeichungen schrittweise zurück gewonnen werden. Bis heute bedarf die Deichlinie regelmäßiger Pflege und Weiterentwicklung. Historische Entwicklung der Kirche und des Ortes. Aus der Frühzeit der Kirchengemeinde Rodenkirchen fehlen überlieferte Daten. Die Missionierung des Unterweserraumes erfolgte am Ende des 8. Jahrhunderts von Bremen aus. Die ersten Kirchen waren aus Holz. Seit dem 11. Jahrhundert entstanden massive Gebäude aus Portasandstein. Auf der ca. 5 m hohen Kirchenwurt in Rodenkirchen stammen die ältesten Teile der heutigen Kirche wahrscheinlich aus der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Ein Vorgängerbau aus Holz konnte noch nicht nachgewiesen werden. Die massiven Steinkirchen auf hohen, von Wällen und Gräben eingefassten Kirchenwurten waren Zentren eigenständiger Bauerngemeinden. Die monumentalen Kirchenräume dienten neben dem Gottesdienstgebrauch auch als Zufluchtsort für Mensch und Vieh bei Sturmfluten sowie als gut gesicherte Festungen bei kriegerischen Auseinandersetzungen mit feindlich gesonnenen Nachbarn. Unter den Kirchspielen des Stadlandes, war Rodenkirchen die Mutterkirche und der Ort des Kirchengerichts des Bremer Erzbischofs (Sendkirche). Die Selbständigkeit der Landgemeinden Butjadingens und Stadlands endete 1514 mit der Schlacht an der Hartwarder Landwehr. Ein Denkmal aus dem 19. Jahrhundert erinnert in Rodenkirchen noch heute an die Kämpfe. Nach dem Untergang der freien Bauernrepubliken fielen Butjadingen und Stadland an Oldenburg. Unter der neuen Landesherrschaft wurde Mitte des 16. Jahrhunderts die Reformation eingeführt. In der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts erlebte das Land eine bemerkenswerte wirtschaftliche Blüte. Gut gebildete Pfarrer und vermögende, selbstbewusste Repräsentanten der Kirchengemeinden sorgten dafür, dass die Kirchen in dieser Zeit außerordentlich prächtige Ausstattungen für den Gottesdienst nach lutherischer Ordnung erhielten. Für Rodenkirchen schuf der bedeutende Bildhauer Ludwig Münstermann aus Hamburg mit seiner Werkstatt ein Ensemble einzigartiger Kunstwerke. Die letzte große Blütezeit des Viehhandels in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts hinterließ mit der großzügigen Anlage des Marktplatzes und einer Vielzahl repräsentativer Gebäude im Stil des Historismus deutliche Spuren im Ortsbild von Rodenkirchen. In den zurückliegenden drei Jahrzehnten erfolgte die letzte umfassende Gesamtrestaurierung der Kirche und ihrer Ausstattung. Die Ev.-luth. Kirchengemeinde Rodenkirchen wurde bei dieser Aufgabe durch den 1997 gegründeten Kirchbauverein unterstützt. Gemeinsam sind Kirchengemeinde und Kirchbauverein heute gefordert, eines der wertvollsten Kulturdenkmale der Wesermarsch zu erhalten und an die nachfolgenden Generationen weiterzugeben.

Baugeschichte

Die St. Matthäuskirche, Hauptkirche des Stadlandes, ist ein kreuzförmiger Saalbau mit flacher Balkendecke. Die heutige Gestalt der Kirche ist das Ergebnis vielfältiger baulicher Veränderungen. Da schriftliche Urkunden über die Frühzeit fehlen, kann die mittelalterliche Baugeschichte nur aus Veränderungsspuren am Gebäude und aus Grabungsbefunden nachvollzogen werden: - Vom ersten, kurz vor oder um 1200 entstanden Kirchenbau aus Portasandstein - vermutlich ein Rechtecksaal mit eingezogenem, platt geschlossenem Chor - hat sich ein Teil der Südwand mit vermauerten, rundbogigen Fenstern erhalten. Dieser Bau wurde später nach Westen verlängert und auf die heutige Höhe gebracht. - Noch in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts dürfte die Kirche nach Abbruch des alten Chores um das heutige Querhaus und einen Chor von geringer Tiefe erweitert worden sein. Durch Grabungen sind 3 Apsiden nachgewiesen. Wandpfeiler, Eckdienste und Reste von Schildbögen und Wandkonsolen deuten darauf hin, dass das Querschiff in drei Joche unterteilt und eingewölbt werden sollte. Deren Ausführung unterblieb - vermutlich wegen der erheblichen, wohl schon zur Bauzeit entstandenen, Verformungen an den Chorpfeilern infolge schlechter Baugrundverhältnisse. Die unfertigen Gewölbe-ansätze wurden wie die Wandflächen mit einem stark geglätteten, ockerfarbenen Putz überzogen und in eine ornamentale spätromanische Wandmalerei integriert. Der Ornamentverlauf, der ursprünglich ins Giebeldreieck hineinreichte, legt nahe, dass der Kirchenraum zu dieser Zeit nach oben mit einem offenen Dachstuhl abschloss. - Um 1300 wurden in die Seitenwände des Langhauses große gotische Portale eingefügt, vielleicht als Ersatz älterer Vorgänger. Die romanischen Portale in den Querschiffswänden wurden dort nachträglich eingebaut. - Als letzter mittelalterlicher Bauabschnitt entstand der mit Wölbungsansätzen versehene rechteckige Chor mit 3 Spitzbogenfenstern unterschiedlicher Größe. - Grabungsbefunde machen wahrscheinlich, dass ursprünglich ein großer Westturm vorhanden war. Dieser diente auch als Wehrturm. In den Kämpfen zwischen den örtlichen Häuptlingen und den benachbarten Landesherrschaften wurde die Kirche 1514 durch Beschuss schwer beschädigt. Möglicherweise entstand der heutige Glockenträger aus 2 Parallelmauern aus dem Abbruchmaterial des Vorgängerturmes. Auch die heutige Balkendecke entstand nach den Zerstörungen von 1514. - Von der vorreformatorischen Ausstattung ist eine Reihe geschnitzter Skulpturen erhalten, die ursprünglich wohl zu einem spätgotischen Altarretabel gehörten und nun in die Brüstung der Westempore eingebaut sind. - In der Zeit des 30jährigen Krieges, von dessen Gräueln die Grafschaft Oldenburg durch die kluge Friedens- und Neutralitätspolitik des Grafen Anton Günthers (1583 -1667) verschont blieb, entstand die außergewöhnlich reiche und wertvolle nachreformatorische Ausstattung der Kirche. Nach den theologisch-inhaltlichen Vorgaben des Pfarrers Gerhardus Petri und finanziert durch wohlhabende Bauerfamilien fertigte der Hamburger Bildhauer Ludwig Münstermann mit seiner Werkstatt Altar, Kanzel und Taufstein mit einem heute verlorenen Deckel. Für die Familien Dethmers und Tantzen entstanden prächtige Epitaphe. - Im 20. Jahrhundert wurde die Kirche in mehreren Abschnitten außen und innen gründlich instandgesetzt. Wertvolle Befunde zur Baugeschichte blieben sichtbar. Ein besonderer Schwerpunkt war die Erforschung und Restaurierung der Werke Ludwig Münstermanns in ihrer Erstfassung, der Kombination von veredelter Holzsichtigkeit und farbig gefassten Teilflächen. Mit letzten Ergänzungen am Altar konnten die Arbeiten  2011 abgeschlossen werden.

Ludwig Münstermann

Ludwig Münstermann - Einer der bedeutendsten Bildhauer des 17 Jahrhundert in Norddeutschland Lebensdaten: Das Leben von Ludwig Münstermann bleibt hinter wenigen Daten im Spekulativen verborgen. Geboren wurde er um 1570 und sein Sterbejahr ist 1637/38. Wir wissen nichts über seine Herkunft, wo er seinen Beruf erlernt hat und wohin ihn seine Wanderungen als Geselle geführt haben. Erst als Meister im Jahre 1599 mit seiner Aufnahme in das Hamburger Drechsleramt tritt Münstermann offiziell in Erscheinung. 1608 wird er mit dem Auftrag für den Orgelprospekt der Schlosskapelle in Rotenburg an der Wümme ein erstes Mal mit einer Arbeit fassbar. Auftraggeber war der Verdener Fürstbischof Philipp Sigismund von Braunschweig-Lüneburg. Der kunstsinnige Fürst mit seinen weit verzweigten verwandtschaftlichen Beziehungen und kirchlichen Ämtern mag Münstermann den Grafen von Oldenburg und Delmenhorst, Anton Günther und Anton II, empfohlen haben. Künstlerisches Werk: Ludwig Münstermann ist ein künstlerisch hochbegabter Handwerker, der gemeinsam mit seinen Mitarbeitern entsprechend den Wünschen und der Finanzkraft seiner Auftraggeber Bildwerke aus Holz, Stein und Alabaster schafft. Aus dem Jahre1612 sind seine Arbeiten am Fassadenschmuck des Oldenburger Schlosses und der Rasteder Kanzel überliefert. 1613-1618 folgt die Ausstattung der Vareler Schlosskirche. Die Arbeiten durch seine Werkstatt für die Kirchen in Altenesch, Rodenkirchen, Hohenkirchen, Schwei, Holle, Stollhamm und Apen füllen die Jahre bis zu seinem Tode. Trotz der vielen Aufträge aus Oldenburg bleibt er in seiner Werkstatt an einem Hamburger Fleet. Von hier transportiert er seine Arbeiten auf dem Wasserwege zu den Auftraggebern.  Grundlagen der künstlerischen Gestaltung: Die Vorstellung vom genialen Bilderfinder, der einsam nach eigenen künstlerischen Vorstellungen seine Werke schafft, entspricht nicht den historischen Gegebenheiten. Die Gestaltung der Werke lag nicht allein in der Verantwortung des Künstlers, sondern war wesentlich geprägt von den Wünschen der Auftraggeber. Die Auftraggeber besaßen eine klare Erwartungshaltung hinsichtlich Form und Inhalt der verschiedenen Bildthemen. Der Formenschatz für die theologischen Bildprogramme stammte, den Werkstattgewohnheiten seiner Zeit folgend, aus graphischen Vorlageblättern und damals gängigen Musterbüchern.   Da Münstermann schon viele Ausstattungsstücke für Kirchen geschaffen hatte, besaß er offenkundig ein beträchtliches Maß an Verständnis für theologische Vorstellungen. Darstellungen von Perspektiven und antiken Säulenordnungen aus den Niederlanden liefern weitere Gestaltungseinflüsse. Für Münstermann bieten sie den Rahmen und Gerüst, in der er seine Figuren und szenischen Darstellungen spektakulär hinein komponiert. Impulse des Manierismus: In den Werken Münstermanns spiegelt sich der Einfluss der internationalen Kunstbewegung des Manierismus, die ihre Impulse aus den höfischen Kunstzentren empfängt. Unter dem Einfluss der Spätwerke Michelangelos setzen vor allem niederländische Künstler eine andere Relation gegen die harmonischen und ausgewogenen Kompositionen der Renaissance. Wesentliche Merkmale des Manierismus sind: unnatürlich wirkende Haltungen bzw. Perspektiven, gestreckte Formen und Figuren, gesteigerte Bewegung und Ausdruckskraft, Künstlichkeit statt Natürlichkeit. Lichtführung und Holzsichtigkeit: Am Altar werden die Besonderheiten des Werkes von Münstermann besonders deutlich: Die Neigung der zentralen Abendmahlsgruppe zum Betrachter, der so ganz intensiv Zeuge des Dargestellten in der bühnenhaften Vision werden kann. Von Bedeutung für den Eindruck des Immateriellen, Schwebenden, das die Kunst Münstermanns kennzeichnet,  ist auch die ausgeklügelte Lichtregie durch rückwärtig einfallendes Tageslicht. Münstermann führte seine Arbeiten detailliert mit hochwertigen künstlerischen Oberflächen holzsichtig aus. Es blieb den Auftraggebern vorbehalten, die Schnitzereien holzsichtig zu belassen, bzw. teilweise oder ganzflächig farbig zu fassen.
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Die Kirchenorgel

Zur Geschichte: Die Reformation hat die Ausstattung des Kirchengebäudes in vielen Bereichen verändert. Zur neuen Funktion der Gemeinschaft der Gläubigen gehörte nun auch der gemeinsame Gesang der Liturgie und der Kirchenlieder. Im Kirchenraum schlägt sich dieses durch die Errichtung einer Orgelempore und den Einbau einer Orgel nieder, die zur Begleitung des Gemeindegesanges erforderlich ist. Die Orgelempore ist nun der Ort, wo der Küster durch den neuen Schwerpunkt seines Amtes als Chorleiter für den geistlichen Gesang und seine instrumentale Begleitung sorgt. In der Brüstung der Orgelempore sind Holzplastiken eingearbeitet. Diese Apostelfiguren stammen aus einem Altar der vorreformatorischen Zeit. Die Orgelgeschichte unserer Kirche reicht, soweit  durch Quellen belegt, bis in das Jahr 1631 zurück, als der Orgelbauer des Grafen Christian von Delmenhorst (1622 - 47), Johann Sieburg, ein offenbar  einmanualiges Orgelwerk in der Kirche aufstellte. Johann Sieburg stammte aus Göttingen und lebte seit 1624 in Bremen, wo er 1641 eine große Orgel in der Liebfrauenkirche baute. Sieburg geriet bald in Konflikt mit dem seit 1635 in Oldenburg tätigen Orgelbauer Gerd Kröger. So kam es dann auch, dass der Sohn Harm Kröger 1642 den Auftrag erhielt, die Orgel um ein Rückpositiv zu erweitern. In den Jahren 1705 und 1727 wurde die Orgel repariert, bevor sich 1756 Pastor Johann Caspar Veltmann entschloss, eine neue, größere Orgel bauen zu lassen. Inzwischen hatte der aus Schmalenfleth bei Rodenkirchen stammende Arp Schnitger (1648- 1719), der in Glückstadt die Orgelbaukunst erlernte, den hochbarocken Orgelbau Nordeuropas maßgeblich beeinflusst. So wundert es nicht, dass der Glückstädter Orgelbauer Johann Hinrich Klapmeyer 1758 ein Orgelwerk errichtete, dass sich äußerlich wie klanglich zu dem großen Vorbild bekennt. Dieser Orgelprospekt blieb bis heute unverändert erhalten; das Werk wurde von der Orgelbaufirma Schmid 1907 durch einen Neubau ersetzt. Die Oldenburger Firma Schmid, die in drei Generationen im Oldenburger Land eine große Anzahl von Orgeln baute, folgte der gängigen Praxis, alte, gebrauchte Pfeifen wieder zu verwenden. So war es dann 1986 der Fa. Führer aus Wilhelmshaven leicht möglich, um die noch vorhandenen barocken Pfeifen herum die Disposition Klapmeyers in einem neuen Orgelwerk zu rekonstruieren. Ein Teil der Pfeifen unser jetzigen Orgel stammt womöglich aus der ersten Orgel von Johann Sieburg. Die originale Balganlage mit vier Keilbälgen ist noch vorhanden und funktionstüchtig.

Die Kanzel von Ludwig Münstermann (1631)

Das theologische Programm: Neben dem Altarretabel prägt unter dem Rundbogen zum Langhaus die 6,60 m hohe Kanzel das Gesamtbild des Kirchenraumes. In das Rahmenwerk aus Eichenholz sind die Figuren und Reliefs aus Lindenholz eingearbeitet. Altar und Kanzel stehen in einer harmonischen Korrespondenz, sie verkörpern das heilige Sakrament und das gesprochene Wort. Das theologische Bildprogramm der Kanzel stellt das Christentum in seiner ganzen Fülle dar. Himmel und Erde, Schöpfung und Erlösung, Sünde und Gnade, Altes und Neues Testament treten bildlich vor Augen. Zur Beschreibung und Deutung der Bildinhalte und deren Zuordnung wird die Kanzel in Ebenen unterteilt. Ebene 1: Kanzelfuß „ Gesetz und Gnade“ Der Kanzelfuß ist als Baumstamm gestaltet und trägt den Kanzelkorb. Am Fuß des Baumes sitzt der Mensch (Adam). Links unter verdorrten Ästen steht Moses mit den Gesetzestafeln, so erkennt der  Mensch seine Schuld und Sünde. Mose will ihn, eine Hand auf die Schulter legend, zur Reue und Umkehr bewegen. Rechts unter grünen Ästen weist ihn Johannes der Täufer (er hält seinen Zeigefinger zwischen Altes und Neues Testament) auf das Gotteslamm hin und zeigt auf den Gekreuzigten in der Kalotte unter dem Kanzelkorb. Dem Sündenbewusstsein (verdorrte Äste) steht die Erlösung (grüne Äste) gegenüber, die durch das Kreuz bewirkt wird. Ebene 2: Kalotte und Kanzelkorb Oberhalb des Baumstammes erhebt sich die Kalotte mit dem sechseckigen Kanzelkorb. An der Kalotte sind auf den dort befindlichen Reliefs die wesentlichen Inhalte des Alten und Neuen Testaments dargestellt: Sündenfall, Gesetzgebung und Eherne Schlange, Verkündigung Mariä und Verkündigung an die Hirten, Kreuzigung und Auferstehung. Am Kanzelkorb darüber, den Inhalten zugeordnet, stehen die vier großen Propheten des Alten Testaments, Jesaja, Jeremia, Daniel und Ezechiel sowie die vier Evangelisten mit ihren Symbolen und aufgeschlagenen von ihnen verfassten Büchern. Sie halten die Reihenfolge ein, in der das Neue Testament ihre Bücher ordnet. Über der Verkündigungsszene befindet sich der Salvator mit der Weltkugel. Die vier Evangelisten sowie die drei lateinischen und die drei griechischen Kirchenväter auf dem Schalldeckel wachen über die schriftgemäße Auslegung der Predigt. Ebene 3: Laterne mit Schalldeckel;“ Trinität und Pfingstwunder“ In der offenen Laterne oberhalb des Schalldeckels im Himmelssaal steht der Thron, von dem  aus Gott, der allmächtige Vater, das von ihm geschaffene Weltall regiert, das er fürsorglich auf dem Schoß hält. Zu seiner Rechten sitzt der Gottessohn, der von Gott auf seine Menschwerdung vorbereitet wird. Das Kreuz kündigt die Erlösung prophetisch an. Außen aufgestellte Putten tragen die Leidenswerkzeuge. Unterhalb des Himmelssaals, an der Unterseite des Schalldeckels, schwebt als dritte Person der Trinität der Heilige Geist in Gestalt einer Taube inmitten der Apostelgruppe mit Maria, der Mutter Jesu. In dem Pfingstereignis kommt der Glaube auf die Erde und in die Herzen der Menschen (dargestellt als Flamme über den Köpfen der anwesenden Personen). Dies ist die Geburtsstunde  der Urgemeinde und der Kirche. Ebene 4: Bekrönende Figur Den Abschluss der Kanzel bildet eine geflügelte, bekrönte Frau die Ecclesia, die ein Modell der Kirche (Gemeinde) in  ihren Händen hält. Die Vorstellung der Kirche in Gestalt einer Frau wird auf die Johannesoffenbarung zurückgeführt. Die Kanzeltreppe: Sehr sehenswert ist schließlich die Kanzeltreppe mit ihren reichen Verzierungen. Alle fünf Sinne werden durch Frauengestalten symbolisch dargestellt: das Hören - Auditus (Hirsch), Sehen - Visus (Adler), Schmecken - Gustus (Früchte), Riechen - Odoratus (Hund) und Tasten -Tactus (kneifender Rabe). Hier wird verbildlicht, dass das Wort Gottes alle Sinne anspricht.

Die Kanzel

Neben dem Altarretabel prägt unter dem Rundbogen zum Langhaus die 6,60 m hohe Kanzel das Gesamtbild des Kirchenraumes. In das Rahmenwerk aus Eichenholz sind die Figuren und Reliefs aus Lindenholz eingearbeitet. Altar und Kanzel stehen in einer harmonischen Korrespondenz, sie verkörpern das heilige Sakrament und das gesprochene Wort. weiterlesen

Der Altar

In der mittelalterlichen Kirche gab es vor der Reformation vermutlich mehrere Altäre. Neben dem gotischen Chor mit dem Hochaltar bot das Querschiff mit seinen Apsiden und Wandnischen Platz für zusätzliche Seitenaltäre. Von der vorreformatorischen Ausstattung ist eine Reihe geschnitzter Skulpturen erhalten, die ursprünglich wohl zu einem spätgotischen Altarretabel gehörten und nun in die Brüstung der Westempore eingebaut sind. weiterlesen

Der Altar

In der mittelalterlichen Kirche gab es vor der Reformation vermutlich mehrere Altäre. Neben dem gotischen Chor mit dem Hochaltar bot das Querschiff mit seinen Apsiden und Wandnischen Platz für zusätzliche Seitenaltäre. Von der vorreformatorischen Ausstattung ist eine Reihe geschnitzter Skulpturen erhalten, die ursprünglich wohl zu einem spätgotischen Altarretabel gehörten und nun in die Brüstung der Westempore eingebaut sind. Nach Einführung der Reformation unter Graf Anton I und der lutherischen Kirchenordnung unter Graf Johann VII im Jahr 1573 in der Grafschaft Oldenburg wurde die St.-Matthäus- Kirche zur Regierungszeit von Graf Anton-Günther schrittweise für den lutherischen Gottesdienst um-und ausgestaltet. Den Anfang machte der Altar, für den 1618 die erste Zahlung an den beauftragten Bildhauer Ludwig Münstermann aus Hamburg geleistet wurde. Die Zusammenstellung des Bildprogramms erfolgte wahrscheinlich durch den damaligen Pfarrer Gerhardus Petri. Das 1629 angelieferte auf aufgestellte circa 5,90 m hohe Retabel zeigt in überwältigendem Formenreichtum  das Heilsgeschehen von der Verkündigung an Maria in der Predella bis zum triumphierenden, Tod und Teufel überwindenden Christus als Bekrönung. Die zentrale, perspektivisch in die Tiefe gestaffelte Szene, stellt das heilige Abendmahl dar vor dem Hintergrund eines Kuppelraumes mit der Bundeslade im Zentrum als Symbol des Allerheiligsten. Das gesamte Schnitzwerk des Retabels ist sehr filigran und mit einer Vielzahl von Durchbrechungen gezielt auf eine rückwärtige Durchlichtung hin gearbeitet. Eigens dazu wurde das gotische Ostfenster des Chores in geschicktem Bezug zum neuen Retabel umgebaut. Das aufstrahlende Morgenlicht symbolisiert nach frühbarockem Verständnis die göttliche Offenbarung, die das Retabel erfüllt, durchdringt, und sich der Gemeinde mitteilt. Die ursprünglich größeren südlichen Fensteröffnungen des Chores unterstützen die beabsichtigte Lichtinszenierung im hellerem Altarraum gegenüber dem dunkleren Kirchenschiff. Im gottesdienstlichen Geschehen seiner Entstehungszeit war der Altarraum mit Altar und Taufstein allein der Austeilung der beiden Sakramente Abendmahl und Taufe vorbehalten. Eine besondere Abschrankung mit zwei Türen und einer kleinen Kanzel, von der aus die Epistel vorgelesen wurde, teilte den Chor vom übrigen Kirchenschiff ab. Auf den an Nord-und Südwand des Altarraumes in Art eines Chorgestühls angeordneten Kommunikantenbänken erwarteten die Gemeindeglieder die Austeilung des Abendmahles, nachdem sie vorher die Beichte abgelegt hatten. 1682 wurde eigens zu diesem Zweck die Beichtstühle beiderseits des Altares für die damals zwei Pfarrstellen der Gemeinde errichtet. Auf den Kommunionbänken knieend empfingen die Kommunikanten zuerst das Brot auf der Nordseite, dann – nach dem Umgang um den Altar – den Wein auf der Südseite. Nur während der Kommunion hatten die Gemeindeglieder in ehrfürchtig knieender Position die Möglichkeit, das Retabel aus der Nähe zu erleben. Auf diesen Wahrnehmungshorizont ist die Positionierung der Bildwerke des Altares in besonderer Weise angelegt und auf diese Glaubenserfahrung ist das gesamte Bildprogramm ausgerichtet. Das tragende Rahmenwerk des Retabels ist aus dunklem Eichenholz geschnitzt, füllende Relieftafeln, schmückende Skulpturen und Architekturteile aus hellem Lindenholz. Bei der Aufstellung des Retabels 1629 unterstützten differenzierte Leim-und Ölüberzüge den Hell-Dunkel- Kontrast der Materialien wirkungsvoll, kombiniert mit sparsam eingesetzten farbigen Absetzungen und Beschriftungen. 1638 erfolgte eine Bereicherung der Fassung durch weitere farbige Absetzungen, Inkarnate, Vergoldungen und gelüsterte Ver silberungen. Dem Zeitgeschmack folgend wurde der Altar 1761 mit einer Marmorierung, neuen Inkarnaten und Vergoldungen vollständig neu überfasst. Ähnliche Fassungen folgten später auf allen anderen Ausstattungsstücken. 1889 von Theatermaler Mohrmann restauriert, wurde die barocke Blaufassung 1959/60 weitgehend abgenommen und durch eine sehr farbintensive, kontrastreiche Neufassung ersetzt, die eher einem fiktiven Idealbild entsprach, als nachweisbaren Befunden. Nach gründlichen Voruntersuchungen wurde in den Jahren 1995-98 die gegenwärtige Fassung, hergestellt, die sich am Aussehen des Retabels nach 1638 orientiert.

Bisherige Projekte

Seit der Gründung des Vereins wurden u.a. folgende Vorhaben begleitet und/oder finanziell unterstützt: Restaurierung des Altars und des Chorgestühls Restaurierung des Chorraumes sowie des gotischen  Ostfensters Sanierung der Portale und Schaffung eines ebenerdigen Eingangs in die Kirche Ersatz der Altarschranke durch Neufertigung von Kommunionsbänken Restaurierung des Querschiffes Restaurierung des Glockenturms Restaurierung der Kanzel Erstellung von Bildtafeln zur Baugeschichte der Kirche , zum Wirken von Ludwig Münstermann und Erläuterung der sakralen Kunstschätze. Restaurierung der Klapmeyer-/Führer Orgel Unser nächstes Vorhaben: Freilegung der Malereien auf den Türen und Wangen der Kirchenbänke

Aufgaben des

Kirchbauvereins

Werden auch Sie Mitglied unseres Kirchbauvereins - die Konfession oder die Mitgliedschaft zur Kirche sind dafür ohne Belang - oder helfen Sie uns bei der Bewältigung un-serer gesteckten Ziele durch eine Spende. weiterlesen Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: Friedrich Lübben,     Tel.: 04732/2286 Hergen Drieling,       Tel.: 04732/323  

Aufgaben des Kirchbauvereins

Zweck und Aufgaben des Kirchbauvereins Auf einer 5 m hohen Wurt, im Mittelpunkt des Ortes, liegt die überwiegend aus Portasandstein erbaute St.-Matthäus- Kirche. Vor ca. 800 Jahren wurde sie zunächst als einschiffige Saalkirche im romanischen Stil erbaut. Im Laufe der Jahrhunderte erhielt sie die heutige Kreuzform mit den gotischen Stilelementen. Die vielfältigen Spuren der Geschichte sind noch weitgehend am Baukörper erkennbar. In früheren Jahrhunderten bot sie den Einwohnern Schutz vor den Fluten und bei Kämpfen gegen die Feinde. Die Gemeindeglieder haben sich stets mit ihrem Gotteshaus identifiziert. Davon zeugt die reiche sakrale Ausgestaltung des Innenraumes der Kirche. Die Kunstwerke wie Altar, Kanzel, Epitaph und Taufstein des großen norddeutschen Bildhauers Ludwig Münstermann wären ohne diese Identifikation und Spendenbereitschaft nicht möglich gewesen. Heute ist die St.-Matthäus-Kirche eines der bedeutendsten Kulturdenkmale in der Wesermarsch. Die Erhaltung dieses kunst- und kulturgeschichtlichen Erbes kostet viel Geld. Durch demographischen Wandel, Schrumpfung der Mitgliederzahlen und die schwierige wirtschaftliche Lage ist die oldenburgigische Landeskirche aufgrund sinkender Einnahmen allein nicht in der Lage,ausreichende Finanzmittel bereitzustellen. Deshalb wurde 1997 der Kirchbauverein gegründet. Die vergangenen Jahre zeigen die große Bereitschaft der hiesigen Bevölkerung, einen finanziellen Beitrag zur Erhaltung ihrer Kirche und damit eines einzigartigen kulturellen Erbes aus der Vergangenheit zu leisten.

Kontakt zu uns

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: Friedrich Lübben,     Tel.: 04732/2286 Hergen Drieling,       Tel.: 04732/323   Vielen Dank sagt der Kirchbauverein Bankverbindungen: R-V Varel-N`ham, Kto.-Nr.: DE28 2826 2673 2513 8006 00  LzO, Kto.-Nr.: DE52 2805 0100 0060 2429 06 OLB, Kto.-Nr.: DE72 2802 0050 1842 3277 00
Der Kirchbauverein wünscht Ihnen und Euch eine gesegnete und friedvolle Advents- und Weihnachtszeit.